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28.10.2008

Et vinum laetificet cor hominis- und der Wein erfreue des Menschen Herz 

Das vierte Mal waren wir mit angehenden Hotel-, Restaurantfachleuten und Köchen am Rhein.
 
Auf den Spuren der Römer, die vor mehr als 1000 Jahren den Weinbau an den Rhein brachten, erkundeten wir dieses schöne Fleckchen Erde.
Während wir bei der Abfahrt um 6 Uhr zwar alle pünktlich, aber auch gründlich verschlafen waren, machte uns unsere erste Station die Sektkellerei Henkell und Söhnlein in Wiesbaden/ Biebrich wieder munter.

In einem stilvollen Gebäude des Neoklassizismus konnten wir als Gäste sehr viel über die Geschichte der Firma erfahren, welche eng mit der Geschichte der Region verknüpft ist.
Nachdem wir auf einer feudalen Treppe 7 Stockwerke in die Tiefe gestiegen sind, standen wir vor einer hochmodernen Abfüllanlage, welche in Spitzenzeiten ca. 150.000 Flaschen am Tag abfüllen kann.
Weiterhin konnten wir die Fässer für die Grundweine - Füllmenge bis zu 200.000 Liter- bewundern, aus welchen erfahrene Kellermeister die Cuveé für eine der erfolgreichsten Sektmarken Deutschlands herstellen.
Hier erfuhren wir auch so interessanten Fakten wie z.B., dass der Begriff Pikkolo eine geschützte Bezeichnung der Fa. Henkell ist oder das der Sockel der Freiheitsstatue in New York aus Biebericher Zement gegossen wurde.
Während noch im Jahre 1856 186 Flaschen Sekt/am Tag das Haus verließen, der damals noch den Namen Champagner tragen durfte, werden heute pro Jahr 90 Millionen Flaschen Sekt der Marken Mumm, Henkell, Söhnlein, Deinhardt, Lutter&Wegner, Kupferberg und Carstens in die ganze Welt exportiert.
Zum Portfolio der Firma, welche mittlerweile Bestandteil des Oetker - Imperiums ist, gehören auch Spirituosenmarken wie z.B. Wodka Gorbatschow.

Wie alte Bekannte wurden wir in der Winzergenossenschaft Bornich am Mittelrhein begrüßt. Herr Stern, der fachkundige Ansprechpartner vor Ort, schaffte es wie immer, den Funken der Begeisterung für das Thema Wein zu entzünden. So bekam auch der letzte müde Schüler beim Genuss von Classic, Kabinett, Spätlese und sogar Beerenauslese einen verklärten Blick. Wir beiden Lehrkräfte, für die das Phänomen nichts Neues war, hatten in Bornich das Gefühl, angekommen zu sein.

Am zweiten Tag unserer Reise tauchten wir noch tiefer in die Geschichte und Gegenwart des Weinbaus am Rhein ein. Auf Schloss Johannisberg, bis vor 2 Jahren im Besitz der Familie von Metternich, schlenderten wir bei noch bewölktem Himmel durch die Weinberge. Das Schloss thront auf einem Berg, welcher einen Blick von Wiesbaden bis weit zum Mittelrhein freigibt und einem das Gefühl gibt, im Paradies zu sein. Geschützt durch die Berge des Taunus gedeihen hier oben neben Spitzenriesling auch Zitronen, Feigen und Mandeln. Gekrönt wurde diese Faszination durch einen Gang durch die Rebstöcke, bei dem wir die köstlichen Trauben probierten und ein Gefühl für Zuckergehalt (Oechsle) und Aroma bekamen. Unser Führer Herr Bloos verblüffte neben seinen fundierten Kenntnissen vom Weinbau auch durch sein exorbitantes Gedächtnis von geschichtlichen Ereignissen inkl. dazugehöriger Daten.

Die ehemaligen Eigentümer haben auch einem der besten deutschen Sekte den Namen gegeben - Fürst v. Metternich Riesling Sekt.
Es war ein erhebendes Gefühl zwischen den Tanks für die Grundweine mit einem Fassungsvermögen von mehr als 200.000 Litern zu stehen, aus denen später die Cuveé für den edlen Tropfen entsteht.

Hier auf Schloss Johannisberg wurde auch die Spätlese erfunden, die heute eine der Prädikatsstufen für deutsche Weine darstellt.
Am meisten faszinierte jedoch der Weinkeller. Er befindet sich 8,5 Meter unter der Erde und beherbergt auf einer Länge von 260 Metern 600.000 Liter Wein und die älteste Weinbibliothek der Welt mit 16000 Flaschen. In dieser Schatzkammer lagern Weine aus verschiedenen Jahrhunderten - der älteste von 1748.

Auch das Kloster Eberbach ist fester Bestandteil unserer Reise. Vom beschwerlichen Leben der Zistersienser zeigten sich besonders die männlichen Teilnehmer unserer Gruppe beeindruckt. Siebenmal am Tag beten, getreu dem Motto Bete und Arbeite, schlafen in riesigen Schlafsälen - ohne Fenster - verzichten auf Fleisch und nicht mehr als eine Mahlzeit am Tag, führte dazu, dass diese Mönche kaum älter als 30 Jahre wurden.

Und doch waren diese Brüder in ihrer Zeit unwahrscheinlich erfolgreich. Sie hatten eine eigene Weinflotte und vermarkteten ihren Wein sehr professionell, sodass sie zu einem der größten Weinproduzenten des Mittelalters wurden.

Mit nachdenklichem Blick ging es dann hinüber in den Steinberg, einer einzigartigen Weinbergslage, die als Schutz vor 2– und 4 beinigen Räubern von den Mönchen im 18. Jh. durch eine Mauer abgetrennt wurde.

Diese 3 km lange Mauer ist die Ursache dafür, dass hier Spitzenweine der Extraklasse heranreifen. Nur einen Katzensprung entfernt, wurden wir im modernsten Weinkeller Europas willkommen geheißen, der erst vor 4 Monaten eröffnet wurde und die Investitionssumme von 15,6 Mill. Euro verschlang.
Dieses Gebäude ist im Besitz der Hessischen Staatsweingüter, welche im Jahr 1,4 Millionen Flaschen Wein produzieren.

Bei dieser Menge an Wein war es ein absolutes Highlight Einblicke in die Vermarktungsstrategien eines solchen Unternehmens zu bekommen. Völlig neu war dabei für uns, dass es beim Export sehr wichtig ist, den jeweiligen Käufermarkt genau zu analysieren und darauf abgestimmt, auch Weine zielgerichtet für bestimmte Länder zu produzieren.
Beim anschließenden Gang durch den Keller konnten wir modernste Technik bewundern und natürlich auch Spitzenweine probieren, die uns entsprechend präsentiert wurden.

Voll mit Eindrücken ging es nach einem gemeinsamen Abendessen in der Klosterschänke wieder zurück zur Jugendherberge.

Der letzte Tag begann mit einer Abschlussprüfung für die Teilnehmer, welche die Grundlage für das Bildungszertifikat darstellt.
Danach traten wir ein weiteres Mal die Reise mit der Fähre über den Rhein an, um zur letzten Station zu gelangen.

Wir waren zu Gast beim Weingut Robert Weil, einem der erfolgreichsten deutschen Winzer. Sein Name ist Inbegriff des Weingenusses und der Kunst des Weinmachens.
Bei strahlendem Sonnenschein warfen wir einen letzten Blick auf die Weinberge, konnten die Winzer bei der Arbeit beobachten und im Keller nochmals Holz- und Edelstahlfässer bewundern.

Bei einer kleinen Weinprobe mit Produkten des Hauses wurde uns noch einmal die ganze Fülle des Themas Wein ganz deutlich.Was diese Reise für uns beide zu einem Erlebnis machte, waren unsere Schüler, die mit Interesse und Begeisterung bei der Sache waren und bei unseren Gastgebern einen sehr positiven Eindruck hinterließen.

Wir hoffen, dass diese Begeisterung anhält, denn es bedarf schon mehr als drei Tage, um sich in dieses Thema hineinzudenken und die wesentlichen Fakten zu behalten.
Aber wir hoffen auch, dass den Schülern die Faszination des Rheins und die Freundlichkeit und Fachkompetenz der Menschen in Erinnerung bleibt und sie diesen Funken in die Betriebe tragen.

Denn es ist jedes Jahr wieder ärgerlich zu hören, wie schwer es den Schülern gemacht wird, an dieser Reise teilzunehmen und es gibt tatsächlich auch Betriebe, die ihren Auszubildenden die Teilnahme untersagen. Und das, obwohl die Auszubildenden diese Kosten selbst tragen und auch in ihrer freien- oder Urlaubszeit fahren.

Umso kostbarer ist die Situation für uns, denn wer dann mitkommt, ist motiviert und will etwas Neues erfahren und das ist entgegen dem normalen Unterricht schon eine echt schöne Erfahrung.

Vielen Dank liebe Schüler. Wir hoffen, es hat Euch genauso gut gefallen wie uns.

Bettina Ideker und Jana Kolbe